INTELLIGENTER BUSINESSBAU 4.0 FÜR KÖßLER TECHNOLOGIE

29/05/2017
Der bayrische Automobil-Zulieferbetrieb Kößler Technologie mit Sitz in Babenhausen plant, seinen Umsatz in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln und die Belegschaft von derzeit etwa 330 auf 500 Personen aufzustocken. Diese Expansionspläne und ein Großauftrag von VW gaben 2016 Anlass zur Erweiterung des Betriebsstandorts in Babenhausen.

Mit der Planung und Realisierung des Businessbaus im Umfang von 9.000 m² Produktions- und 1.000 m² Bürofläche wurde der österreichische Totalunternehmer Peneder beauftragt. Zusammen mit Netzwerkpartner STIWA realisierte Peneder in nur zehn Monaten einen energieeffizienten, hochautomatisierten und zugleich architektonisch anspruchsvollen Betriebsneubau.
Kurt Hörbst/Peneder

Dieser ermöglicht eine Energiekostenreduktion von rund 30% im Ver­gleich zu einem Standardgebäude. In Summe ergibt dies mehrere hunderttausend Euro Energiekosteneinsparung pro Jahr. Zusätzlich verhilft der Neubau dem Unternehmen durch automatisierte Prozesse und optimale Produktionsbedingungen zu einem bedeutenden Produktivitätssprung.

Ganzheitlicher und produktionsbasierter Planungsansatz
Kößler Technologie ist Fertigungsspezialist für die zerspanende Bearbeitung in den Bereichen Automotive und Hydraulik und produziert komplexe Präzisionsteile und Baugruppen in Mittel- und Großserie. Den Ausgangspunkt der Planungen bildete ein mehrtägiger Productivity Check, bei dem eine interdisziplinäre Peneder-Expertengruppe die gesamten Prozesse mit ihren Energie- und Materialflüssen sowie alle produktivitätsrelevanten Umgebungsbedingungen präzise analysiert hat. „Auf dieser Basis entwarf das Team rund um den Peneder-Architekten Harald Setka ein Muster­beispiel eines intelligenten Industrie-4.0-tauglichen Businessbaus“,  erläutert Reinhard Kößler, Geschäftsführer der Kößler Technologie GmbH stolz.

Hochautomatisierte Produktion und Intralogistik
Im Inneren des Betriebsgebäudes übernehmen fahrerlose Transportsysteme (FTS) die gesamte Ver- und Entsorgung der Produktion. Materialtransport und -zugriff erfolgen rasch und zuverlässig. FTS-geeignete Fahrwege, optimierte Schnittstellen der Anlage mit dem FTS und die Verwendung automationsgerechter Ladungsträger wurden bereits frühzeitig berücksichtigt. „Liegt im herkömm­lichen Verständnis von Industrie 4.0 der Fokus auf der Vernetzung zwischen Anlage und Produkt, ergänzen wir das um einen wesentlichen Akteur: das Gebäude selbst“, erläutert Christian Peneder, Geschäftsführer der Peneder Bau-Elemente GmbH und ergänzt: „Wir verstehen demnach das Gebäude als eine Maschine, die wesentlichen Einfluss auf die Produktivität hat.“

Innovative Energielösung für mehr Effizienz
Die für Kößler Technologie erarbeitete Energielösung nutzt primär Einsparungspotenziale in den drei Bereichen Heizung, Kühlung und Lüftung. Die Peneder-Experten zeigten auf, dass in der zerspanenden Fertigung üblicherweise 98% der eingebrachten elektrischen Energie als Abwärme in der Halle enden. Ansatzpunkt beim Neubau der Kößler Technologie war, den Kühlbedarf der Halle zu reduzieren, indem die Abwärme der Maschinen, der Prozessabluft, des Kühlschmierstoffs sowie der Antriebsaggregate über einen Wärmetauscher abgeführt wird. Bei Bedarf kann die abgeleitete Wärme in anderen Gebäudebereichen für Heizzwecke nutzbar gemacht werden. Um die internen Kühllasten in der Fertigungshalle zusätzlich zu verringern, wurde eine innovative Lösung entwickelt: statt mehrerer dezentraler Kühlschmierstoff-Anlagen kommt nur noch eine zentrale Anlage zur Anwendung. Für den restlichen Kühlbedarf wurde das Grundwasser nutzbar gemacht und damit die sonst übliche Kältemaschine ersetzt. Weiters sorgen eine kombinierte Hallenlüftung- und Prozessabluft-Anlage sowie eine Quelllüftung für Effizienz.

Für das intelligente Energiekonzept wurden die Kooperationspartner Peneder und STIWA mit dem „Energie Star“ – dem oberösterreichischen Landes-Energiepreis – in der Auslandskategorie ausgezeichnet.

Rundum automatisierte Gebäudetechnik
Die Gebäudeautomation mit integriertem Monitoringsystem ist ein Schlüsselfaktor bei der erfolg­reichen Umsetzung der Energielösung. Diese koppelt die Bereiche Heizung, Kühlung und Lüftung und ermöglicht Einsparungen durch eine bedarfsabhängige Steuerung. 

Ideale Produktionsbedingungen
Das bahnbrechende Energiekonzept wirkt sich nicht nur betriebskostensenkend aus, sondern hat zugleich eine Steigerung von Produktivität und Prozesssicherheit zur Folge: Die Quell-Lüftung, welche kontinuierlich und weitgehend zugluftfrei Frischluft zuführt, optimiert das Raumklima und reduziert Verwirbelungen. Zusätzlich verhindert die automatisierte Gebäudetechnik abrupte Temperatur-Veränderungen in der Fertigungshalle. Dadurch können die Präzisionsteile in gleich­bleibend hoher Qualität gefertigt werden.

„Mit unserem neuen automatisierten Gebäude ist es uns gelungen, die Produktivität, Prozess­sicherheit und Effizienz zu maximieren und gleichzeitig die Energiekosten zu minimieren. Die Errichtungskosten werden sich rasch amortisieren und unsere Wachstumsstrategien sind auch langfristig perfekt abgesichert“, freut sich Reinhard Kößler, Geschäftsführer der Kößler Technologie GmbH.

Neubau Kößler Technologie
Kurt Hörbst/Peneder
Das neue Büro- und Verwaltungsgebäude von Kößler Technologie. Seitlich erstrecken sich die Produktionsstätte und das Lager.

Moderne Architektur
Zukunftsweisend ist die neue Betriebsstätte auch in architektonischer Hinsicht: Das Bürogebäude besticht durch klare und zeitlose Formensprache und präsentiert sich als dynamischer Baukörper im Vordergrund der Produktionsstätte. Der dunkle Gebäudesockel und die V-Stützen lassen das in Weiß gehaltene Obergeschoß schwebend in Erscheinung treten. Ein Sonnenschutz aus groß dimensionierten horizontalen Lamellen setzt einen markanten Akzent an der Südseite des Büro­gebäudes. Im Inneren schaffen modern ausgestattete Büroräumlichkeiten ein ideales Arbeitsumfeld.

Darüber hinaus stellt der Businessbau die erforderlichen Kapazitäten für die geplante Personal­aufstockung in Verwaltung und Produktion bereit. Sollten zusätzliche Ausbaupläne aufkommen, hat Peneder-Architekt Harald Setka vorgesorgt: „Mögliche Erweiterungsszenarien wurden in unserem Masterplan von Anfang an mitentwickelt.“ So steht den weiteren Wachstumsplänen nichts im Wege.
 

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